Wie funktioniert das denn nun?
Die schlechte Nachricht gleich vorneweg: es gibt bisher keine wissenschaftlich schlüssige Erklärung für die exakte Wirkungsweise der Homöopathie. Wir können das Phänomen nur einkreisen, indem wir es aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Die Fähigkeit, althergebrachte Denkweisen einmal liegen lassen zu können, ist hierbei sicher von Vorteil.
Hierzu eine Anekdote aus der Historie:
Einer der Altväter der Homöopathie, Constantin Hering, sollte als Medizinstudent eine Streitschrift gegen die "Irrlehre der Homöopathie" verfassen. Er kniete sich ins Thema und studierte zwei Jahre intensiv die Materia Medica und Hahnemanns Schriften, um den ganzen Unsinn zu entlarven - und wurde einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Homöopathen seiner Zeit.
Hahnemann ging davon aus, dass unser Leben von einer immateriellen Kraft gesteuert wird, der Lebenskraft, die er Dynamis nannte. Das ist an sich nichts Neues. Die Chinesen bezeichnen das Gleiche seit über 4000 Jahren als Qi, die Hindus nennen es Prana, die antike Medizin des Mittelmeerraumes hatte das Pneuma, alle bezeichnen mehr oder weniger den gleichen Sachverhalt, dass wir mehr sind als ein funktionell sinnvoll zusammengesetzter Zellhaufen, es bedarf eines "geistigen Atems" der uns eingehaucht wird und der uns auch irgendwann wieder verlässt.
Verschiedene Einflüsse sind in der Lage, diese Lebenskraft zu stören und zu schwächen, woraus Krankheit resultiert. Jeder hat schon einmal erlebt, dass von zwei Menschen mit gleichem Viruskontakt der eine krank wurde (geschwächte Lebenskraft), während der andere gesund blieb (starke Lebenskraft). Die Annahme, es könnte sich hierbei um das Immunsystem handeln, ist teilweise richtig, reicht aber als vollständiges Erklärungsmodell nicht aus.
Das Ähnlichkeitsprinzip
Hahnemann beobachtete, dass kleine Dosen einer bestimmten Arznei in der Lage sind, im gesunden Menschen Symptome hervorzurufen. Hat nun ein Patient die gleichen Symptome dieser Arznei, ist diese in der Lage, die Krankheitsymptome auszulöschen und damit zu heilen.
Wo kommen denn die Arzneikräfte her?
Hahnemann entdeckte, dass sich die Wirkkraft der Arzneien durch die sogenannte Potenzierung um ein Vielfaches steigern lässt. Dabei wurde die Arznei im Mörser mit Milchzucker eine bestimmte Zeit lang verrieben und in bestimmten Schritten verdünnt. Sogar Substanzen, die im rohen Zustand unarzneilich sind, z.B. Gold oder Kochsalz, entwickelten unter der Potenzierung ungeahnte Heilkräfte.
Auch er hat sich der Methode angenähert, anfangs gab er durchaus materielle Substanzmengen, oft mit der Folge starker Krankheitsreaktionen.
In dem Bestreben, diese heftigen Reaktionen mildern zu wollen, verdünnte und verrieb er immer weiter und verfeinerte die Methode im Verlauf jahrelanger Experimente bis zu dem Grad, wie wir sie heute kennen und anwenden.
Grob formuliert lässt sich sagen, dass durch die Potenzierung die immateriellen Kräfte der Arzneisubstanz entfaltet werden. Diese immateriellen Heilkräfte sind nun in der Lage, es mit der ebenfalls immateriellen Lebenskraft aufzunehmen und sie im geschwächten Zustand (= Krankheit) umzustimmen.
Wohlgemerkt nur im geschwächten Zustand, in Gesundheit bewirken die Arzneien genau das, was die Kritiker der Homöopathie vorwerfen, nämlich nichts, von der Ausnahme der Arzneimittelprüfung einmal abgesehen.
Die Kunst dabei ist, die Gesamtheit der Krankheitssymptome in möglichst genaue Deckung mit den experimentell herausgefundenen Symptomen der jeweiligen Arzneien zu bringen.
letzte Änderung: 4.10.11