Kann ich mich homöopathisch selbst behandeln?

Sicher haben Sie schon von Freunden und Bekannten gehört, die bei der letzten Erkältung Kügelchen von der Nachbarin genommen haben und zufrieden waren. Ebenso sicher haben Sie auch schon mal den Ausspruch gehört: nein, bei mir hat so was noch nie geholfen!

Hier liegt wie immer, die Tücke im Detail. Ausschlaggebend für den Erfolg einer Behandlung ist in erster Linie die Wahl des passenden Mittels! Grundsätzlich sollten sie den Rat eines homöopathischen Therapeuten einholen, wenn Sie erkrankt sind. Dieser kann nach Ihren Symptomen das passende Mittel herausfinden.

Vertretbar sind Selbstbehandlungen in niedrigen D-Potenzen bei akuten Erkrankungen oder kleinen Verletzungen, sollte sich binnen Tagesfrist keine Besserung zeigen, empfehle ich Ihnen, fachlichen Rat einzuholen. Hochpotenzen ab C30/D30 und LM-Potenzen sind nicht für die Selbstbehandlung geeignet.  Eine längerfristige unkontrollierte Einnahme dieser Hochpotenzen kann zum Auftreten von entsprechenden Prüfsymptomen führen.

Die "Kochbuch-Homöopathie", wie sie in vielen Zeitschriften und Ratgebern publiziert wird, nach dem Motto: wenn Fieber, dann Mittel X, mag Teilerfolge aufweisen, sichere und dauerhafte Heilungen bei chronischen Erkrankungen sind jedoch zu bezweifeln.

Ebenso zurückhaltend betrachte ich die sogenannte "moderne Homöopathie", die sich einer Vielzahl von Mitteln, sogenannten Komplexmitteln bedient. Mit dieser Schrotschußtechnik soll ein breites Spektrum an Symptomen abgedeckt werden, nach dem Prinzip "ein Orchester macht mehr Krach als ein Solist."  Das erscheint auf den ersten Blick plausibel, hat aber den Nachteil, dass das weitere Krankheitsbild oft verschleiert wird und Folgesymptome nicht mehr korrekt zugeordnet werden können, die leisen Töne des Körpers im Orchesterkrach unhörbar werden.

Die Homöopathie, die ihr Begründer Samuel Hahnemann auf den Weg gebracht hat und deswegen auch oft genuine oder klassische Homöopathie genannt wird, arbeitet ausschließlich mit Einzelmitteln, u.a. weil die Gabe EINES RICHTIGEN Mittels vollkommen ausreicht.

Zitat:
"In keinem Falle ist es nöthig und deshalb (....) unzulässig, mehr als eine einzige, einfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden. (...) Es ist unmöglich, vorauszusehen, wie zwei oder mehrere Arzneistoffe (....) einander in ihren Wirkungen hindern und abändern können (....)".
(Samuel Hahnemann, Organon der Heilkunst, §§273, 274)

Bedenkenlos selbst behandeln können Sie jederzeit mit folgenden bewährten alten Hausmitteln, hören Sie auch hier auf Ihre "innere Stimme" und wenden Sie nur das an, was Ihnen gut tut:

  • warme, ansteigende Fußbäder
  • Rotlichtbestrahlung
  • frische Luft oder
  • ab ins Bett
  • reichliche Flüssigkeitszufuhr, Wasser, Säfte, Tee
  • Wärmflasche
  • kalte Anwendungen
  • feuchte Umschläge
  • Zwiebelsäckchen
  • Kartoffelwickel
  • Massagen
  • Sauna
  • und vieles mehr

Siehe hierzu die Literaturliste.

Bei manchen Anwendungen ist während einer homöopathischen Behandlung Vorsicht geboten: z.B. Kamillen- oder Pfefferminztee, scharfe ätherische Öle wie Kampfer, Tigerbalsam, Menthol oder Eukalyptus. Sprechen Sie die Anwendungen mit Ihrem Therapeuten ab!  

letzte Änderung: 4.5.2010